Konzept & Partizipation
Erfahren Sie hier mehr über das Konzept des naturnahen Schulgeländes und welche Beteiligungsmethoden wir im Projekt erprobt haben.
Was verstehen wir unter einem "naturnahen Schulgelände"?
Der Begriff des naturnahen Schulgeländes bzw. des NaturErlebnisRaumes wurde vom ehemaligen Leiter des Referats für Umwelterziehung der Akademie in Dillingen, Manfred Pappler, und dem Biologen und Landschaftsplaner, Reinhard Witt, im Jahre 1993 etabliert. Sie beschäftigten sich gemeinsam damit, wie sie wieder mehr Tiere in die Stadt holen können. Schnell stellten sie fest, dass dies nur über die Etablierung von heimischen Pflanzen möglich ist und entschieden sich dafür, als Raum das Schulgelände zu wählen. Denn dort profitieren nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern die Schüler:innen können selbst auch wieder mit der Natur in Kontakt treten und Pflanzen und Tiere kennenlernen.
Damit die Bedürfnisse und Wünsche der Schüler:innen bei der Gestaltung ihres Schulgeländes berücksichtigt werden, entwickelten sie das Dillinger Modell der Nutzerbeteiligung. Dabei werden mit den Schüler:innen Modelle aus Naturmaterialien gebaut. Im Zentrum stehen die Fragen:
- „Was wollt ihr auf eurem Schulgelände erleben?“
- „Welche Gestaltungselemente sind nötig, damit diese Erlebnisse auf unserem Schulhof möglich werden?“
- „Welche dieser Gestaltungselemente können wir selbst bauen?“
Darauf aufbauend wird durch eine:n Naturgartenplaner:in oder Landschaftsplaner:in eine fachgerechte Planung erstellt. Dabei werden folgende Kriterien berücksichtigt:
- Verwendung von ausschließlich heimischen Wildpflanzen
- Förderung der Biodiversität
- Modellierung des Geländes
- Entsiegelung der Flächen
- Verwendung von umweltfreundlichen Baustoffen
Darüber hinaus müssen dabei die vier Nutzungsräume, die Pappler und Witt definiert haben, enthalten sein.
Die Umsetzung erfolgt dann in sogenannten Mitmachbaustellen – zusammen mit der gesamten Schulgemeinschaft, der Nachbarschaft und allen die Lust haben, mit anzupacken.
Die vier Nutzungsräume
Ruhe und Kommunikation
Der Raum für Ruhe und Kommunikation sollte auch im Schulgelände an einer ruhigen Stelle liegen oder durch Geländemodellierungen und Pflanzungen räumlich abgeschirmt sein. Geeignete Elemente sind Sitzmauern, Bänke und Tische, Hütten, (Weiden-) Tipis und Zelte, Baumhäuser und -burgen, Höhlen, Begegnungsinseln oder kleinere Räume in Gebüschen und Hecken.
Naturerlebnisse
Ziel des Raumes für Naturerlebnisse ist, dass Kinder wieder mit Natur in Kontakt treten und eine emotionale Bindung zu ihr aufbauen. Deshalb stellt die Bepflanzung mit heimischen Arten ein wichtiges Element der naturnahen Schulgelände dar. Dieser Raum soll, wie die Bezeichnung schon ausdrückt, Naturerlebnisse ermöglichen, so dass die Schüler:innen direkt mit der Natur in Kontakt kommen können. Dafür bieten sich natürliche Wege, Plätze, Hügel, Täler, Brücken und Stege, Wasser und Teiche, Wildblumenbeete und -wiesen, Duftpflanzen, Trockenstandorte, Kleingehölze, Wildsträucher, Labyrinthe aus Weiden, Nutzgärten, ein Feuerplatz oder Backöfen als Gestaltungselemente an.
Spiel und Bewegung
Hügel und Täler, Klettersteine und -mauern, Kletterbäume, Balancierstämme, Kriechtunnel, Kleinspielfelder, Schaukeln, Wippen, Seile, Hüpfpalisaden, Torwände, Rutschen, ein Wasserspielgelände und ein Matschbereich mit Sand und Kies sind prägende Elemente des Raumes für Spiel und Bewegung. Eine so facettenreich gestaltete Landschaft regt automatisch zum Spiel und zur Bewegung an, egal ob Fangen, Verstecken, Rennen, Klettern oder Balancieren.
Kreatives Gestalten
Der vierte Nutzungsraum Kreatives Gestalten ist Teil aller Räume. Durch die fantasievolle Gestaltung des ganzen Geländes, wird in allen Räumen die Kreativität angeregt. Voraussetzung dafür sind veränderbare und modellierbare Materialien wie Sand, Kies, Hölzer, Steine oder Äste sowie Wasser. Auch Werkstätten und bemalbare Wände können Teil des Kreativen Gestaltens sein.
Beteiligungsmethoden
Ein Ziel des Projekts ist es, neben dem Dillinger Modell – dem klassischen Kisten bauen mit Naturmaterialien – weitere Methoden zu erproben. Diese Erprobung wurde durch Fokusgruppeninterviews begleitet.
Ziel der Methoden ist es, den Schüler:innen zu ermöglichen ihre Wünsche an das Schulgelände ausdrücken zu können.
Kisten bauen
Pro Gruppe von drei bis fünf Schüler:innen wird eine Kiste zur Verfügung gestellt in die sie ihren Wunschschulhof bauen sollen. Dafür werden ihnen verschiedene Materialien zur Verfügung gestellt bzw. gemeinsam gesammelt. Hauptbestandteil sollten Naturmaterialien sein, die durch zusätzliches Material ergänzt werden können. Zusätzlich werden Scheren, Kleber, Heißkleber und Buntstifte benötigt.
Mögliches Material:
- Sand
- Steine
- Holz
- Pflanzen
- Blüten
- Zahnstocher/Schaschlikspieße
- Korken
- Nüsse und getrocknete Früchte
- Perlen
- Muscheln
- Schnüre/Wolle
- Stoffe
- Buntes Papier
- Modelliermasse/Ton
Lego
Ähnlich wie beim Kisten bauen, bauen die Schüler:innen in Kleingruppen Modelle ihres Traumschulgeländes mit Lego-Steinen auf min. 4 Bauplatten. Zu beachten ist, dass auch Naturelemente zur Verfügung stehen.
Luanti
Luanti ist ein blockbasiertes Spiel, das ähnlich wie Minecraft funktioniert. Dadurch können die Schüler:innen ihr Schulgelände in einer virtuellen Welt entwerfen und gestalten. Dafür benötigt wird ein Laptop oder PC inkl. Maus und zuverlässigem Internetzugang. Wir empfehlen die Nutzung im PC-Raum. Im Vergleich zu Minecraft müssen für Luanti keine Accounts mit personenspezifischen Daten erstellt werden, weshalb es DSGVO konform an Schulen eingesetzt werden kann. Wir empfehlen die Durchführung in Zweiergruppen. Alle Informationen zur Nutzung von Luanti finden Sie unter: https://www.blockalot.de/wiki Die Durchführung von Luanti fand in Kooperation mit dem Landesmedienzentrum statt.
Gardena Planner 3D
Der Gardena Planer funktioniert per Drag ‚n‘ Drop. Die Schüler:innen können ein Luftbild oder den Lageplan ihres Schulgeländes hochladen und darauf Garten-Elemente einfügen. Das Programm ist als Webversion verfügbar, so dass keine Accounts erstellt werden müssen. Wir empfehlen die Durchführung in Zweiergruppen.
Collagen/Vision Board
Das Erstellen von Collagen bietet eine weitere analoge Möglichkeit kreativ auszudrücken, wie das Wunsch-Schulgelände aussehen soll. Es bietet sich an in Kleingruppen von 3-5 Schüler:innen zu arbeiten und jeder Kleingruppe ein A1 Plakat (oder größer) zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wird benötigt:
- Scheren
- Kleber
- Naturbezogene Zeitschriften, wie gärtnerische Zeitschriften, Landlust, Landidee etc. (es empfiehlt sich ältere Jahrgänge über Gebrauchtwaren-Plattformen zu erwerben)
Umfrage
Bei besonders großen Schulen und dem Wunsch alle Schüler:innen und Schüler einzubeziehen, lohnt sich eine digitale Umfrage. Hier können z.B. Fragen gestellt werden, wie:
- Was stellst du dir unter einem NaturErlebnisRaum vor? Nenne 5 Punkte.
- Was möchtest du in der Pause erleben?
- Wie wichtig sind dir folgende Räume (mit Skala bewerten)
- Naturerlebnis
- Ruhe & Kommunikation
- Spiel & Bewegung
- Kunst & Kreativität
- Markiere 5 Gestaltungselemente, die auf eurem zukünftigen Schulgelände nicht fehlen sollten (Auswahl vorgeben)
- Welche Bereiche/Elemente sollten erhalten bleiben?
Worldcafé
Das Worldcafé ist eine klassische Methode um interessierte Menschen an einem Thema zu beteiligen, das sie selbst betrifft. In diesem Format wird durch die Moderator:innen ein Raum mit verschiedenen Thementischen vorbereitet. An jedem Thementisch liegt eine Frage zum Schulgelände. Die Schüler:innen bilden Kleingruppen und beschäftigen sich ca. 15 min mit einer Frage, danach werden die Tische gewechselt, bis jede Gruppe an jedem Tisch war. Die Thementische sind nach den vier Nutzungsräumen gegliedert:
- Kunst & Kreativität: Inwiefern möchtest du auf dem Schulgelände gestalten können? Welche künstlerischen Elemente sollen umgesetzt werden?
- Ruhe & Kommunikation: Was ist dir in der Pause besonders wichtig, um zur Ruhe zu kommen? Wie sollen Bereiche gestaltet sein, damit du dich mit Freund:innen unterhalten kannst?
- Spiel & Bewegung: Was ist dir zu diesem Thema wichtig? Machst du gerne Sport in der Pause? Was brauchst du, um dich in der Pause bewegen zu können?
- Naturerlebnis: Welche Rolle soll Natur auf eurem Schulgelände spielen?
Zeichnen analog oder digital
In Bezug auf das Entwerfen eines Traum-Schulhofes lassen sich natürlich auch Zeichnungen anfertigen. Hier gibt es viele Möglichkeiten entweder analog mit Stift und Papier, Acryl, Wasserarben uvm. Zu arbeiten oder digital mit verschiedenen Zeichenapps am Tablet. Zudem kann entweder Freihand gemalt werden oder auf Grundlage des Grundrisses des Schulgeländes.
